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*** Unser 3. Seminar mit Irina Junges: "Bindungsaufbau – Vertrauen = Freiheit" am 29.09.2013 ***

Zum Seminar "Bindungsaufbau" waren so viele Teams angemeldet, dass wir dem Einen oder Anderen tatsächlich absagen mussten. Woran lag es? Warum vertrauen die Hundebesitzer ihren Hunden nicht oder anders herum: warum vertrauen die Hunde ihren Besitzern nicht? Heute war der Tag, um herauszufinden, wer wem nicht vertraut.

Ab 10.30 Uhr füllte sich die Wiese so langsam. Viele bekannte Gesichter kamen zum Seminar, aber auch einige, die diesmal ihr erstes Seminar bei uns besuchten. Alle waren gut gelaunt und das Wetter zeigte sich von seiner allerschönsten Seite. Mit ein wenig Verspätung starteten wir dann gegen 11.20 Uhr, da ein Stau den Einen oder Anderen an der pünktlichen Anreise hinderte.

Los ging es mit der obligatorischen Vorstellungsrunde und siehe da, viele Menschen vertrauen ihrem Hund nicht und Einige waren sich darüber im Klaren, dass ihr Hund ihnen nicht vertraut. Es schien interessant zu werden. Wie sollte in so kurzer Zeit eine Wende gelingen?

Zuerst einmal wurden Mensch – Mensch Übungen gemacht. Wir mussten uns einen Partner suchen, den wir nicht kannten, und uns von ihm mit geschlossenen Augen erst sanft und dann hektisch über das Gelände führen lassen. Das ruhige war ja ok, aber als es hektisch wurde, merkte man die eigene Unsicherheit. Irina, unsere Seminarleitung, erklärte uns, dass sich der Hund an der Leine genauso fühlt. Uns wurde bewusst, dass wir die Leine viel zu oft grundlos bewegen. Wir zerren hin und her und eigentlich weiß der Hund gar nicht, was er soll.

Dann kam die Übung mit den Hunden. Einzelne Hunde wurden zusammengeführt und man musste die Hunde beobachten. Viele Seminarteilnehmer schätzen die Situation falsch ein und bei dem Einen oder Anderen gingen die Alarmglocken an. Wir lernten nun, unseren Hund durch die gemeinsamen Beobachtungen "zu lesen" und erkannten schnell, wann ein Hund mit der Situation überfordert war. In solch einer Situation ist es wichtig für den Hund, dass der Hundehalter einschreitet und die Lage für den Hund klärt. Vielen fiel es nicht leicht, einen fremden Hund in die Schranken zu weisen oder aber seinen eigenen Hund vom fremden Hund fern zu halten. Aber je häufiger wir es übten desto leichter wurde es.

Nach einer kurzen Pause, die wir alle gut gebrauchen konnten, ging es dann in die nächste spannende Runde. In einer weiteren Mensch – Mensch Übung wurden wir durch eine kreuz und quer laufende Menschenmenge geführt. Wieder mit verschlossenen Augen und mit der Erfahrung, dass es halb so schlimm ist, wenn man dem Menschen vertraut, der einen führt. Für uns hieß es nach dieser Übung: "gehe sicher und bestimmt deinen Weg, dann folgt dein Hund dir blind und mit vollem Vertrauen".

Nun wurde es Zeit für eine warme Mahlzeit. Man musste nun die ersten wichtigen Erfahrungen sacken lassen. In Gesprächen mit den Teilnehmern konnte man erfahren, dass Vielen nun klar war, warum der Hund einem nicht vertraut. Wenn man "durch die Gegend eiert", vermittelt man dem Hund Unsicherheit und das mag ein Hund überhaupt nicht.

Gut gestärkt ging es nun in die nächste Runde.

Es wurde ein Seil gespannt und jeder, der es versuchen wollte, war herzlich eingeladen, seinen Hund mit verschlossenen Augen und Ohren zu spüren, ohne ihn zu berühren. Zuerst schauten alle verdutzt in die Runde und erst nach der ersten Übung wurde uns klar, worauf das Ganze hinauslief. Fast alle Hundebesitzer spürten ihren Hund, als er vor Ihnen stand. Viele Teilnehmer ließen ihr Bauchgefühl sprechen und lagen damit genau richtig, aber man konnte bei all denen, die nur dem Kopf vertrauten, erkennen, das sie nicht so gut abgeschnitten hatten. Diese Erfahrung war für Alle eine ganz neue Erkenntnis und ich glaube, keiner hätte vorher geglaubt, dass er seinen Hund aus der Entfernung spüren kann.

Nun war es Zeit, das Erlernte in die Tat umzusetzen. Bei einem gemeinsamen Spaziergang wurden alle Hunde abgeleint und es entstand keine große Meute, die wild herumlief oder zusammen ihren eigenen Weg ging. Die Hunde blieben bei ihren Besitzern und freuten sich, dass der Mensch es nun endlich schaffte, jede Situation, die kam, zu regeln. Auch wenn Spaziergänger mit Hund kamen, blieben die Hunde ruhig bei ihrem Rudelführer. Bei einer Pause sah man, dass sich die Hunde einfach hinlegten und total relaxt warteten, bis es weiter ging. Keiner empfand es als seine Aufgabe, dieses entstandene Rudel anführen zu müssen oder einen sogenannten Eindringling abwimmeln zu müssen. Die Hunde überließen dies ihrem Menschen und konnten so ganz entspannt bleiben.

Für mich war diese Situation die Schönste. Ich war genau so ruhig wie die Hunde, obwohl das bei Spaziergängen nie der Fall war. Ein schönes Gefühl, nicht nur für den Hund, sondern ganz besonders für mich. So habe ich an diesem Tag gelernt, dass, wenn ich meinen Hund klar führe, er mir vertrauen wird und sich wohl fühlt. Ich regele in Zukunft die Situationen, in denen er sich unwohl fühlt, und dann kann er mir vertrauen und somit seine Freiheit in vollen Zügen genießen.

Nach diesem langen und anstrengenden Tag gingen die Teilnehmer müde aber zufrieden nach Hause. Viele fragten, ob im nächsten Seminar noch Plätze frei sind, aber auch das kommende Seminar ist bis auf den allerletzten Platz ausgebucht.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Irina Junges für das gelungene und aufschlussreiche Seminar.

Hier wie immer eine Diashow vom Seminar auf Youtube (bitte klicken), danke für das Erstellen, Sarah!